Zur Geschichte des
Haukelivegen
Von Alv Straumstøyl.

Wir schreiben das Jahr 1968. Durch dunkle Tunnelportale fließt in beiden Richtungen dichter Verkehr – gen Osten bzw. gen Westen. Auf der breiten asphaltierten Straße kommt man schnell voran. Von oben sieht die Strecke aus wie ein dunkles, kurvenreiches Band, das dem Auf und Ab der Landschaft folgt und zwischendurch auch schnurgerade über Hochebenen verläuft. Im Sommer dauert die Fahrt von Røldal nach Haukeligrend weniger als eine Stunde und im Winter bei guten Straßenverhältnissen eigentlich auch nicht länger.

Vor 1968 war dies jedoch anders, da waren die Jahreszeiten ein Wendepunkt, denn im Winter war die Ost-West-Verbindung über das Haukelifjell gesperrt. Heute sichern lange Tunnel Abschnitte, wo früher Schnee und Eis eine Gefahr darstellten. Der alte Haukelivegen wurde zur ganzjährig befahrbaren Fernstraße und Europastraße ausgebaut.

Doch diese Entwicklung hat eine lange Vorgeschichte, die mehrere Jahrhunderte zurückreicht - - -.

Um Weihnachten 1155 ist ein Gefolge über das Haukelifjell in Richtung Westen unterwegs („nördlich des Fjells“). Der Lehnsmann Gregorius Dagsson ist auf dem Weg nach Etne, um bei dem mächtigen Erling Skakke Schutz zu suchen. Rund 40 Jahre später ist Erling Skakkes Sohn, der junge Sigurd Erlingsson, in entgegengesetzter Richtung auf der Flucht. In den Türrahmen der alten Stabkirche zu Vinje hat er Runen geritzt und so die Nachricht hinterlassen, dass König Sverre ihn verfolgt. Diese beiden namentlich bekannten historischen Personen seien hier stellvertretend für alle genannt, die das Gebirge zwischen Telemark und Røldal zu Fuß oder zu Pferde überquert haben – auch zu Zeiten, aus denen wir keine schriftlichen Quellen haben. In Familiensagas und volkstümlichen Gedichten ist allerdings auch von alten Zeiten die Rede.

Der Weg über das Haukelifjell war weit, früher ein langer Tagesmarsch von Haukeligrend nach Røldal. Es kam vor, dass man unterwegs übernachten musste.

Anfangs suchte man unter Felsvorsprüngen und gemauerten Steinbrücken Schutz, später wollte man es etwas bequemer haben. An der Strecke gab es nur wenige Häuser, wo Fremde aufgenommen wurden, doch im Jahrbuch des Norwegischen Vereins für Bergwandern (DNT) für 1874 in Røldal hier die Nacht verbrachten.

Die Pilger waren ein nicht unwesentlicher Teil derjenigen, die das Fjell überquerten.

Die Kirche Røldal wurde wahrscheinlich um 1370 erbaut. Einige Zeit später wurde ein Kruzifix für die Kirche gestiftet, aus dem jedes Jahr in der Johannisnacht „Schweißtropfen“ mit einer heilenden Wirkung perlten. Solange in Norwegen der Katholizismus vorherrschte, und auch später, wurde in der Johannisnacht eine Messe gehalten, an der Pilger aus dem ganzen Land teilnahmen. Viele Kranke und Gebrechliche sollen durch die Kruzifixtropfen geheilt worden sein. Diese Pilgerfahrten dauerten auch nach der Reformation noch bis 1835 an.

Wegen des zunehmenden Verkehrs und für die immer besseren Pferdekutschen wurden die alten Wege zu Straßen ausgebaut. So auch der Haukelivegen.

Pläne für einen befahrbaren Weg über das Haukelifjell gab es bereits seit 1704, als Hofassessor J. E. Ernst beim König ein Gesuch einreichte, ein solches Vorhaben zwecks Verbesserung der Postbeförderung zwischen Ost- und Westnorwegen zu genehmigen.

Bis zum Beginn der Bauarbeiten sollten allerdings 150 Jahre vergehen. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war die Strecke Brunkeberg–Gugarden in Haukeli fertig gestellt (1837–1843). 1866 arbeitete man sich von Gugarden weiter nach Westen vor, und 1876 war die gesamte Strecke im „Amt Bratsberg“ (heute Telemark) befahrbar, d.h. bis nach Ulevåbotn. Von dort verlief die Trasse über Dyrskar (höchster Punkt der Strecke 1148 m ü. M.) hinab nach Røldal und Håra und dann über das Seljestadfjell nach Odda. 1889 war die gesamte Strecke fertig – mit einer Breite von durchschnittlich 2,5 Metern.

Dyrskar, der älteste Tunnel Norwegens Bald zeigte sich, dass die Trasse auf der Ostseite hinauf nach Dyrskar wegen Schnee und Lawinen Probleme bereitete.

1891 wurden daher 14 700 Kronen für einen kurzen Tunnel bewilligt. Die Arbeit wurde sofort in Angriff genommen, und 1900 konnte der Tunnel dem Verkehr übergeben werden. Dieser und ein anderer Tunnel (im Brattlandsdal) waren die ersten Tunnel in Norwegen. Jetzt ist der Dyrskar- Tunnel der älteste, da der Brattlandsdal- Tunnel bei Straßenbauarbeiten zerstört wurde.

Damit hatte man die Probleme aber noch nicht vollständig im Griff. Jetzt lösten sich große Gesteinsbrocken an den unteren Tunnelportalen und versperrten den Weg.

Alle waren einer Meinung, dass die Streckenführung verändert werden musste.

Die andere Seite des Tals wurde als günstiger angesehen. Das Parlament bewilligte die notwendigen Mittel, und 1919 war das 2100 Meter lange Teilstück fertig – nach fünfjähriger Bauzeit. Diese Strecke war steiler, aber besser vor Steinschlag und ähnlichen Gefahren geschützt.

Wenn Sie heute über das Haukelifjell fahren, werden Sie kaum über die Geschichte dieser Straßenverbindung nachdenken.

Wer sich jedoch für solche Themen interessiert, sollte in Dyrskar anhalten und dann nicht in den Haukeli-Tunnel hineinfahren, sondern die alte Strecke Richtung Dyrskar wählen. Wenn man auf der früheren Trasse Richtung Osten an der unter Denkmalschutz stehenden Baubaracke vorbeigeht, kommt man zum alten Tunnel und sieht weiter unten die beiden neueren Straßen: die durch einen Betontunnel verlaufende Europastraße 134 und die 1919 umgebaute Straße. Natürlich war es ungünstig, dass die Straße im Winter gesperrt werden musste. Die Wetterverhältnisse in den Bergen machten es unmöglich, die Strecke schneefrei zu halten – in manchen Jahren war sie knapp 8 Monate lang gesperrt. Große Schneemengen und Schneeverwehungen, besonders in Dyrskar, waren fast unüberwindliche Hindernisse für die Straßenarbeiter, die in manchen Jahren noch im Juli Tunnel graben mussten, um die Durchfahrt zu ermöglichen. Es war klar, dass eine ganzjährig befahrbare Straße eine Reihe von Vorteilen für die Menschen in Südnorwegen mit sich bringen würde, nicht zuletzt in betriebs- und volkswirtschaftlicher Hinsicht.

Vor allem der umfassende Ausbau des Tokke-Gewässersystems als Energiequelle in diesen Jahren erforderte eine ganzjährig befahrbare Straße, und diese Arbeit wurde im Herbst 1959 von Telemark aus in Angriff genommen. Es waren 3 Baustufen und 9 Jahre Bauzeit vorgesehen: 1.

Baustufe – alle Tunnel mit Straßen (5 Jahre), 2. Baustufe – Lüftungs- und Beleuchtungsanlagen in den Tunneln (2 Jahre), 3. Baustufe – die schon immer im Winter befahrbar war (2 Jahre). Für die Finanzierung des Projekts waren staatliche Mittel und Straßenbenutzungsgebühren vorgesehen.

Das Projekt „Ganzjahresstraße über das Haukelifjell“ umfasste die Strecke von Grungebru in Telemark bis Seljestad im Bezirk Hordaland, insgesamt ca. 91 Kilometer. Zum Schutz vor dem Schnee wurde die Straße teilweise sehr hoch gebaut, damit der Wind den Schnee von der Fahrbahn wehen konnte, und teilweise durch Tunnel geführt (insgesamt rund 14.200 m). Der höchste Punkt (1.086 m) befindet sich auf dem Haukelifjell, und abgesehen von den Tunneln verlaufen nicht weniger als 15 Kilometer höher als 1000 Meter über dem Meer.

Die Ganzjahresstraße über das Haukelifjell wurde am 7. September 1968 von Verkehrsminister Håkon Kyllingmark offiziell dem Verkehr übergeben. Das Ergebnis der neunjährigen Bauzeit war ein Verkehrsweg mit hohem Standard.

Im Jahr 1968 wurde die Nationalstraße 10 zwischen Drammen und Haugesund – über Kongsberg, Notodden, Haukeli und Skarsmo – als Europastraße klassifiziert, zunächst mit der Bezeichnung E-76 und später E-134.

In Verbindung mit dieser höheren Einstufung erhielt die Strecke auch den Namen „Haukelivegen“.

Ein solcher eindeutiger Begriff spielt eine große Rolle für die Fremdenverkehrswerbung in den umliegenden Regionen.

Die Bedeutung der Straße ist an der Entwicklung des Verkehrsaufkommens abzulesen: die Zahl der Fahrzeuge stieg von 138.016 (1969) auf 280.596 (1987) und 368.610 (1992) an. Im Jahr 2000 fuhren 406.202 Fahrzeuge über das Haukelifjell. Es ist nicht anzunehmen, dass diese Tendenz sich ändern wird. Immer mehr Touristen entdecken die große Vielfalt der Naturerlebnisse, die diese Strecke zwischen Fjord und Fjell zu jeder Jahreszeit zu bieten hat.

Nach diesem geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung des Haukelivegen beginnen wir die Fahrt von Drammen aus Richtung Westen und geben für jede Kommune an der E-134 – bis nach Haugesund – eine kurze Beschreibung. Für weitere Einzelheiten stehen die Tourist-Informationen gern zur Verfügung.